Immer mehr Personen werden wegen psychischer Probleme krankgeschrieben. Je länger diese Personen von der Arbeit fernbleiben, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zurückkehren. Dem kann man entgegenwirken.

Die Arbeitswelt und die Anforderungen an Arbeitnehmer und Arbeitgeber wandeln sich stetig und das Umfeld verändert sich rasch. Das beeinflusst die Gesundheit der Menschen: Immer mehr Personen werden psychisch bedingt krankgeschrieben. «Meist werden Depression oder Burnout diagnostiziert, aber wenn man die Situation genauer anschaut, zeigt sich häufig eine komplexere psychische und persönliche Problematik », sagt Niklas Baer, Leiter von WorkMed an der Psychiatrie Baselland.

WorkMed unterstützt Betroffene, deren Arbeitgeber, Versicherungen und Behörden in Fragen zu psychischen Arbeitsproblemen bei Mitarbeitenden und Versicherten. Auch SWICA arbeitet mit WorkMed zusammen. Das Team von Niklas Baer kommt unter anderem bei solchen komplexen Fällen zum Einsatz. «Oft manifestiert sich eine psychische Störung bereits der Kindheit oder in der Jugend. Mitarbeitende im mittleren Alter mit einer Depression sind selten das erste Mal psychisch erkrankt», sagt Niklas Baer. Die SWICA Care Manager vermitteln die betroffenen Personen an WorkMed.

Ein Roundtable ist der Idealfall

Das Team von Niklas Baer – bestehend aus Ärzten, Psychologen und Pflegefachpersonen – führt dann Abklärungen durch: «Was braucht es, dass die Person an den Arbeitsplatz zurückkehrt? Ist das überhaupt möglich? Wie sieht die Prognose der Arbeitsfähigkeit aus? Was waren die Komplikationen am Arbeitsplatz? Was muss allenfalls verändert werden, damit eine Reintegration erfolgreich ist.» Im Idealfall werden die Gespräche nicht nur mit dem betroffenen Mitarbeitenden geführt, sondern auch mit dem Arbeitgeber, der Versicherung und dem behandelnden Arzt. «Wenn an einem Roundtable der Wiedereinstieg gemeinsam besprochen werden kann, ist das für alle hilfreich», sagt Niklas Baer.

Rasche Reintegration

Ziel all dieser Massnahmen ist es, die Person möglichst rasch zurück an die Arbeit zu bringen. Denn: «Je länger eine Person krankgeschrieben ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Rückkehr», sagt Niklas Baer. Das habe unterschiedliche Gründe. Sei es die Vermeidungsstrategie einer erkrankten Person, die zu lange weg war und keinen Bezug mehr hat zum Team und beim Arzt immer wieder sagt, sie sei noch nicht soweit. Sei es, dass die psychische Erkrankung als Stigma wahrgenommen wird und dadurch eine Scham und Hemmung entsteht. Oder sei es, weil der Betrieb nach einer gewissen Zeit der Absenz gar nicht mehr mit dieser Person rechnet. «Zudem kann bei fehlendem Kontakt auch ein Arbeitgeber das Gefühl bekommen, dass die Person eventuell einfach «blau» macht», sagt Niklas Baer. Er empfiehlt daher, zurückzuhaltend zu sein mit Krankschreibungen zu 100 Prozent. «Manchmal wäre eine teilweise Krankschreibung und eine Anpassung der Arbeitsaufgaben möglich und auch sinnvoller, damit der Kontakt nicht abreisst.»

Früh intervenieren lohnt sich

Die Herausforderung für Vorgesetzte liegt aber nicht nur in der Reintegration, sondern auch in der Frühintervention. «Fällt einem Chef auf, dass sich der Mitarbeiter verändert, sollte er das ansprechen», sagt Niklas Baer. Seiner Erfahrung nach spüren die Vorgesetzten solche Auffälligkeiten relativ gut, beispielsweise wenn der Mitarbeiter nicht mehr ganz so zuverlässig ist, zu spät kommt oder unrasiert bei der Arbeit auftaucht. «Oftmals braucht der Vorgesetzte aber auch eine Bestätigung, dass er richtig empfindet und den Mitarbeiter darauf ansprechen darf. Viele Vorgesetzte haben diesbezüglich Hemmungen oder befürchten, die Situation damit noch zu verschlimmern.»

SWICA bietet auch in solchen Fällen im Rahmen des Care Managements und in Zusammenarbeit mit WorkMed Unterstützung an. Führungskräfte können bei Unklarheiten, Fragen, Unsicherheiten oder Problemen die Arbeitgeber-Beratung nutzen und telefonisch Rat einholen. «Ein geschultes Team aus Ärzten, Psychologen und Pflegefachpersonen klärt das Problem telefonisch ab und gibt Tipps, wie der Vorgesetzte vorgehen und den Mitarbeiter ansprechen kann», sagt Baer. Schafft es der Vorgesetzte, den Mitarbeiter so ausreichend früh abzuholen und Lösungen zu entwickeln, dann besteht oft eine gute Chance, dass der Mitarbeiter gar nicht erst krankgeschrieben wird.

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